Huaraches Marke Eigenbau

Huaraches Marke Eigenbau

21. Mai 2020 0 Von Georg - Kraftfuß

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Angelehnt an traditionelle mexikanische Huaraches stelle ich hier eine Möglichkeit vor, einfache Sandalen zum Gehen und vor allem Laufen herzustellen.

Material

Für diese minimalistischen Sandalen braucht man nur sehr wenig Material:

  • Sohle z.B. aus Gummi oder Leder (je dünner, desto mehr Barfußgefühl)
  • Schnur, Schnürsenkel, Fallschirmschnur o.ä. zum Binden

Die Sohle kann man einfach im Internet bestellen, das ist meistens nicht besonders teuer. Upcycling-Tipp: Je nach Qualität kann man auch ausgerissene Flip Flops wiederverwerten.

Werkzeug

Im Prinzip braucht man nur ein Werkzeug zum Schneiden von Sohle und Schnur und ein Werkzeug, mit dem man Löcher in die Sohle machen kann. Außerdem muss man die Fußform irgendwie auf die Sohle zeichnen. Also:

  • Schere oder Teppichmesser
  • Kreide oder gut sichtbarer Stift
  • Lochzange, alternativ auch Schraubenzieher o.ä. zum Löcher bohren.

Ein Schraubenzieher erleichtert es übrigens auch, etwas dickere Schnur durch kleine Löcher in der Sohle zu fädeln.

Anleitung

Ich erkläre die Schnürung hier anhand des linken Schuhs.

Die hier gezeigte Schnürmethode ist recht verbreitet, weil man die Schuhe schnell an und ausziehen kann. Es gibt aber noch viele weitere Möglichkeiten, die sich für die nächsten Versuche auszuprobieren lohnen.

Umriss der Füße auf die Sohle zeichnen:

Das sollte im stehen oder im Kniestand passieren, da der Fuß unter Belastung länger und breiter ist, als im Sitzen. Und man möchte die Schuhe ja auch im Stehen tragen.

Stell dich also auf die Sohle und fahre mit der Kreide (oder dem Stift) großzügig um die Füße herum. Der gemalte Umriss sollte jetzt größer sein als dein Fußabdruck. Das machen wir deshalb so, weil sich der Fuß beim Gehen verformt und auf der Sohle bewegt. Und was später tatsächlich zu viel ist, kann man am Ende immer noch abschneiden.

Besonders hinten an der Ferse und vorn an den Zehen empfiehlt es sich, genügend Spielraum zu lassen.

Markieren der Positionen für die Löcher:

Wir brauchen Löcher zum Schnüren. Bei der hier gezeigten Variante sind das drei:

  1. Eins zwischen Großzeh und zweitem Zeh, recht nah am Fuß
  2. Eins etwas vor dem Innenknöchel
  3. Eins etwas vor dem Außenknöchel

Die letzten beiden findet man, indem man mit dem Finger von vorn am Fuß entlangfährt, bis man an den jeweiligen Knöchel kommt. Von dort wo er gerade anfängt (also nicht am höchsten Punkt) geht man dann in gerader Linie nach unten und markiert die Stelle auf der Sohle. Keine Sorge, es kommt auf ein paar Millimeter hin oder her nicht an.

Ausschneiden der Sohlen:

Dazu gibt es nicht viel zu erklären. Schneide die gezeichneten Umrisse aus und sei auch hier gerne etwas großzügiger.

Die Löcher stechen:

Mit der Lochzange geht es am einfachsten. Alternativ leistet auch ein Schraubendreher mit Drücken und Drehen gute Dienste.

Einfädeln der Schnur:

Zuerst mach an einem Ende der Schnur einen Knoten. Dann fädelst du die Schnur von unten durch das vordere Loch. Der Knonten verhindert, dass die Schnur durch rutscht. Bei Paracord oder anderer synthetischer Schnur ist es hilfreich den Knoten und das andere Ende mit einem Feuerzeug anzuschmelzen, so dass sie dort nicht ausfranst.

Dann geht es von oben durch das linke/äußere Loch, zurück nach oben und einmal um die Schnur herum. Dann von oben durch das rechte/innere Loch und wieder zurück nach oben.

Hinweis: Bei dieser Vorgehensweise neigt die Schnürung zum verrutschen, dafür ist es einfacher die Spannung der Schnur später noch anzupassen (was am Anfang sicher nötig sein wird). Möchte man dem entgegenwirken, kann man bei den beiden Löchern auch einfache Knoten setzen, wo sich die Schnur kreuzt.

Knoten

Damit ist die Vorarbeit getan und wir sind bereit für’s

Binden:

Ab jetzt geht es deutlich einfacher, wenn dein Fuß schon im Schuh steckt.

Führe die Schnur nach oben, unter der Schnur auf dem Fußrücken durch und wieder zurück nach unten. Jetzt sollte die von vorne kommende Schnur auf dem Fußrücken ziemlich gerade auf dem Fuß liegen.

Dann geht es unter der Fersenschnur durch und um die vordere der beiden nach oben verlaufenden Schnüre herum.

Von hier aus führst du die Schnur hinten an der Ferse vorbei, unter der nach oben verlaufenden Schnur durch und um die untere der beiden horizontal verlaufenden Schnüre.

Jetzt nach oben unter den beiden Schnüren auf der rechten Seite hindurch, dann von vorne unter den beiden Schnüren auf der linken Seite durch, aber noch nicht ganz durchziehen, so dass eine Schlaufe entsteht.

Jetzt bildest du eine Schlaufe gehst mit dieser durch die andere Schlaufe durch, dann festziehen. Zum Schluss kannst du optional noch einen einfachen Knoten zur Sicherung daneben legen. Je nach Beschaffenheit der Schnur kann das nötig sein oder auch nicht.

Anpassen:

Die Schnürung ist fertig! Es ist Zeit, ein paar Schritte zu gehen. Vermutlich wird hier und da noch etwas zu viel Spannung sein, oder es sitzt etwas zu locker. Zieh die Schnur nach Bedarf nach. Als Faustregel funktioniert für mich Folgendes: Die Schnur, die längs über den Fußrücken geht, darf ruhig etwas Spannung haben (solange sie nicht reibt). Die Schnüre hinten an der Ferse sollten dagegen nicht zu straff sein, denn sie schieben sonst den Fuß nach vorn, so dass der Knoten auf dem Fußrücken und die Schnur zwischen den Zehen unangenehm drücken können.

Überschüssiges Material entfernen:

Wenn du ein paar Schritte (am besten auch schnellere Schritte) gegangen bist, bekommst du eine Ahnung davon, welche Bereiche der Sohle nie mit dem Fuß in Kontakt kommen. Diese kannst du vorsichtig Stück für Stück wegschneiden, bis dir die Form gefällt. Nimm nur nicht zu viel auf einmal weg und probiere den Schuh immer wieder an, sonst ist schnell zu viel abgeschnitten.

Und nun…

Herzlichen Glückwunsch, deine eigenen individuellen Huaraches sind fertig!

Tadaaa
Beispiel für andere Schnürung